Warum Emotionsregulation die Grundlage psychologisch sicherer Arbeitsplätze ist

Saskia Wheeler

3 Min. Lesezeit

Zwei Jahre lang untersuchte Google im Rahmen von Project Aristotle 180 Teams und wertete 250 Merkmale aus, um eine Frage zu beantworten: Was macht Teams leistungsstark? Das Ergebnis: Ausschlaggebend für den Erfolg eines Teams waren weder Produktivität noch Arbeitspensum oder individuelles Talent. Der mit Abstand wichtigste Faktor war psychologische Sicherheit. Der Begriff ist in HR- und Wohlbefindenskreisen längst geläufig und fällt regelmäßig, wenn es um Leistung, inklusive Führung oder eine gesunde Unternehmenskultur geht.

Auf organisationaler Ebene kennen wir das Konzept gut. Doch was setzt psychologische Sicherheit auf menschlicher Ebene voraus? Und wie hängt sie mit Emotionsregulation zusammen, einer Fähigkeit, die Fachleute der Neurowissenschaft in der Führungskräfteentwicklung, etwa Dr. Tara Swart und Dr. Lisa Feldman Barrett, als Grundlage für Wohlbefinden und gesunde Beziehungen betrachten?

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Was ist psychologische Sicherheit?

Die Harvard-Professorin Amy Edmondson hat den Begriff geprägt: Psychologische Sicherheit beschreibt ein Umfeld, in dem Menschen offen sprechen, Risiken eingehen und Fehler zugeben können, ohne Angst vor Bloßstellung, Bestrafung oder Schuldzuweisung.

Für HR ist das mehr als Teamkultur. Es ist ein psychischer Zustand, der prägt, wie Menschen sich am Arbeitsplatz verhalten und miteinander in Beziehung treten. Und er hängt unmittelbar davon ab, wie wir als Einzelne unsere Emotionen regulieren.

Emotionsregulation: Was sie ist und warum sie psychologisch sichere Arbeitsplätze erst möglich macht

Emotionsregulation ist die Fähigkeit, innere Reaktionen auf Stress zu steuern und sich flexibel auf Unsicherheit einzustellen.

Es geht nicht darum, Gefühle zu unterdrücken, sondern darum, die Balance zu halten.

Wer Emotionen gut regulieren kann, ist eher in der Lage:

  • Mehrdeutigkeit auszuhalten, ohne zu blockieren.

  • Schwierige Gespräche zu führen, ohne dass sie eskalieren.

  • Sich schneller von emotionalen Auslösern zu erholen.

Aus HR-Sicht ist das entscheidend, denn Teams, deren Mitglieder sich selbst regulieren können:

  • bleiben unter Druck gelassen und handlungsfähig.

  • gehen mit komplexen oder emotional aufgeladenen Situationen klarer um.

  • tragen zu einer stabilen, verbundenen Teamkultur bei.

Wie beides zusammenwirkt

Psychologische Sicherheit und Emotionsregulation bedingen einander in beide Richtungen:

  • Ein Umfeld, das psychologische Sicherheit fördert, hilft dem Nervensystem, sich zu stabilisieren.

  • Und Menschen, die ihre Emotionen regulieren können, tragen zu einer Kultur bei, in der sich andere psychologisch sicher fühlen.

HR kann die Brücke schlagen, indem es die Bedingungen gestaltet, die beides tragen.

Wenn psychologische Sicherheit fehlt

Wenn Menschen unsicher sind, ob sie etwas ansprechen sollen, oder Angst haben, etwas falsch zu machen, staut sich Stress im Körper auf und der Spiegel des Stresshormons Cortisol steigt. Mit der Zeit wird dieser Stress chronisch, und das hat bleibende Folgen für den Körper.

Einige Auswirkungen von chronischem Stress:

  • Erhöhtes Cortisol, das den Schlaf stört und Ängste verstärkt

  • Mehr Entzündungen und eine geschwächte Immunabwehr

  • Beeinträchtigtes Gedächtnis, schlechtere Entscheidungen und weniger gedankliche Flexibilität

  • Ein dysreguliertes Nervensystem, das zu emotionaler Reizbarkeit oder innerem Rückzug führt

Diese Reaktionen sehen an der Oberfläche selten nach Stress aus. Stattdessen zeigen sie sich als Rückzug, Gleichgültigkeit oder ausbleibende Beteiligung, also als Verhaltensweisen, die HR-Verantwortliche längst kennen und mit viel Aufwand angehen.

Was HR für ein reguliertes Nervensystem tun kann

Wie gut jemand Emotionen regulieren kann, hängt von vielen Faktoren ab, häufig von Prägung, Traumaerfahrungen, Identität und sozialem Umfeld. HR hat es jedoch in der Hand, die Bedingungen am Arbeitsplatz so zu gestalten, dass sie Mitarbeitende bestmöglich stützen. Zentrale Ansatzpunkte sind:

  • Vertrauen: Klarheit und Verlässlichkeit in Kommunikation und Entscheidungen.

  • Beziehungsqualität: Führungskräfte, die darin geschult sind, empathisch und aufmerksam zu reagieren.

  • Zugehörigkeit und Inklusion: Besonders wichtig für unterrepräsentierte oder marginalisierte Gruppen.

  • Strukturelle Klarheit: Weniger Mehrdeutigkeit, die kognitiv belastet, und ein Rahmen, in dem Mitarbeitende sich getragen fühlen.

Angebote für Wohlbefinden, Unterstützung bei mentaler Gesundheit und eine Feedbackkultur, die Selbstwahrnehmung stärkt, sind die eigentliche Infrastruktur psychologisch sicherer Arbeitsplätze.

Fazit

Psychologische Sicherheit zeigt sich in der Unternehmenskultur, doch sie beginnt im Körper.

Emotionsregulation ist längst keine „Soft Skill“ mehr: Sie ist ein zentraler Baustein gesunder Arbeitswelten und die Basis für Resilienz, Zusammenarbeit und Innovation.

Psychologische Sicherheit ist am Ende ein kollektiver Zustand, doch sie beginnt mit der Regulation des Nervensystems. Wer das versteht, kann über oberflächliche Maßnahmen hinausgehen und Kulturen gestalten, die sich von innen heraus sicher anfühlen.

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Saskia Wheeler

Cognitive Health Consultant bei Kyan Health

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