Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz: der neue Talentmagnet

Alexander Laugomer

11 Min. Lesezeit

Lange war mentale Gesundheit ein Randthema, heute steht sie im Zentrum der Unternehmensdebatte. Die Pandemie und die darauf folgende „Great Resignation“ haben die Prioritäten verschoben: Mitarbeitende erwarten heute ein Arbeitsumfeld, das ihr Wohlbefinden schützt, nicht nur ihr Gehalt.
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In Vorstandssitzungen und HR-Meetings weltweit ist derselbe Satz zu hören: mentale Gesundheit ist geschäftskritisch. Vor wenigen Jahren war das Wohlbefinden der Belegschaft noch ein Randthema, heute rückt es ins Zentrum. Der Grund ist einfach: Mitarbeitende messen ihrer mentalen Gesundheit einen immer höheren Stellenwert bei und orientieren sich an Arbeitgebern, die das ebenso tun. Die COVID-19-Pandemie und die anschließende „Great Resignation“ haben deutlich gemacht, dass Mitarbeitende nicht länger bereit sind, ihre mentale Gesundheit für ein Gehalt zu opfern.

Anfang 2022 waren fast 44 % der Beschäftigten aktiv auf Jobsuche, angetrieben unter anderem von der Suche nach einer besseren Work-Life-Balance und nach Unterstützung für die mentale Gesundheit.

Newport Institute

Das ist ein tiefgreifender Wandel dessen, was Menschen bei der Arbeit wichtig ist. Berufstätige von heute, besonders die jüngeren Generationen, sagen offen: Mentale Gesundheit ist keine reine Privatsache, sie gehört auf die Agenda des Arbeitsplatzes. Zur Einordnung: Rund die Hälfte der Millennials und erstaunliche 75 % der Gen Z haben bereits einen Job aus Gründen der mentalen Gesundheit gekündigt.

Insgesamt nennt mehr als die Hälfte derjenigen, die gekündigt haben oder es planen, die eigene mentale Verfassung als wesentlichen Grund für diese Entscheidung. Wenn 61 % der Kündigenden sagen, mentale Gesundheit habe den Ausschlag gegeben, bleibt Arbeitgebern nichts anderes übrig, als genau hinzuhören.

Vorausschauende Unternehmen haben erkannt: Mentales Wohlbefinden zu unterstützen ist kein Akt der Nächstenliebe, sondern eine strategische Notwendigkeit, um Spitzenkräfte zu gewinnen und zu halten.

Die neue Priorität der Belegschaft: mentale Gesundheit am Arbeitsplatz

Die Erwartungen von Mitarbeitenden haben sich in den letzten Jahren rasant verändert, und mentale Gesundheit steht dabei weit oben. Umfragen bestätigen, was viele HR-Verantwortliche längst spüren: Menschen suchen gezielt nach Arbeitgebern, die mentales Wohlbefinden ernst nehmen.

Eine aktuelle Belegschaftsstudie zeigt, dass 84 % der Mitarbeitenden umfassende Leistungen für die mentale Gesundheit als wichtiges Kriterium bei der Bewertung eines neuen Jobangebots betrachten.

benefitspro.com

Anders gesagt: Ein Großteil des heutigen Talentpools zieht Arbeitgeber ohne substanzielle Unterstützung für die mentale Gesundheit gar nicht erst in Betracht. Dieser Trend zieht sich durch alle Branchen und Regionen. Hohe Belastung und Burnout treiben die Forderung nach Veränderung.

Fast die Hälfte der Beschäftigten weltweit gibt an, dass ihr Wohlbefinden 2022 abgenommen hat, 28 % bezeichnen sich bei der Arbeit als „unglücklich“. Nach Jahren voller Isolation, Angst und Erschöpfung ist das Bewusstsein für die eigenen mentalen Bedürfnisse deutlich gewachsen. Unternehmen beginnen zu reagieren: 81 % der Arbeitsplätze haben seit Beginn der Pandemie mehr Aufmerksamkeit auf die mentale Gesundheit gelegt. Doch es bleibt eine Lücke: Etwa jede dritte Person hält die Unterstützung am Arbeitsplatz nach wie vor für unzureichend.

Die Botschaft ist eindeutig: Mitarbeitende erwarten mehr. Sie orientieren sich an Arbeitgebern, die mentales Wohlbefinden sichtbar zur Priorität machen durch Leistungen, Kultur und Richtlinien. In diesem neuen Talentmarkt ist Unterstützung für die mentale Gesundheit kein „Nice-to-have“, sondern ein Magnet. Unternehmen, die das verstanden haben, verschaffen sich einen Vorsprung bei Recruiting und Bindung.

Warum Unterstützung für die mentale Gesundheit Bindung und Leistung steigert

Mentale Gesundheit zur Priorität zu machen zahlt sich messbar aus, bei der Mitarbeiterbindung ebenso wie bei der Produktivität. Wer unter Druck steht oder emotional angeschlagen ist, verliert deutlich häufiger die Bindung an den Job oder kündigt.

In einer britischen Umfrage gaben 89 % der Beschäftigten mit psychischen Belastungen an, diese wirkten sich negativ auf ihr Arbeitsleben aus, und mehr als die Hälfte hatte deshalb über eine Kündigung nachgedacht . Weltweit zeigt sich dasselbe Muster: Wenn Arbeit der mentalen Gesundheit schadet, stimmen Menschen am Ende mit den Füßen ab.

Eine Untersuchung von Deloitte während der Great Resignation ergab, dass 61 % derjenigen, die ihren Job verlassen haben oder verlassen wollten, dies auch wegen ihrer mentalen Verfassung taten. www2.deloitte.com

Für HR-Verantwortliche, die auf Bindung achten, sind diese Zahlen ein Warnsignal, vor allem aber eine Einladung, es besser zu machen. Wer sich nicht sicher, unterstützt und gesund fühlt, sucht sich einen Arbeitgeber, bei dem das anders ist. Umgekehrt wird ein Unternehmen, das für echte Fürsorge bekannt ist, zum Talentmagneten, der loyale, engagierte Menschen anzieht.

Unterstützung für die mentale Gesundheit steigert auch die Leistung. Zahlreiche Studien verbinden Wohlbefinden mit Produktivität. Wer sich wohl und getragen fühlt, bringt sein Bestes ein: Zufriedene Mitarbeitende sind im Schnitt rund 13 % produktiver.

Bleiben Angst, Depression oder Burnout unbehandelt, leidet nicht nur die Stimmung, sondern auch Output und Innovationskraft.

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass Depressionen und Angststörungen die Weltwirtschaft jährlich rund 1 Billion $ an entgangener Produktivität kosten.

Hinter dieser gewaltigen Zahl steckt ein noch ernüchternderer Befund: Rund 12 Milliarden Arbeitstage gehen jährlich verloren , verursacht durch diese verbreiteten psychischen Erkrankungen. Kurz gesagt: Geht es Mitarbeitenden mental schlecht, zahlen Unternehmen den Preis in Form von Fehlzeiten, Fehlern, geringerer Leistung und verlorenem Wissen, wenn Menschen gehen.

Eine mental gesunde Belegschaft ist dagegen widerstandsfähiger, kreativer und produktiver. Wer Burnout und psychische Belastung angeht, macht das volle Potenzial seiner Menschen nutzbar.

Eine Analyse der Harvard Business Review bringt es auf den Punkt: Jedes Jahr gehen Hunderte Millionen Arbeitstage durch psychische Belastung verloren, während knapp 60 % der Mitarbeitenden ihre mentale Gesundheit bei der Arbeit noch nie angesprochen haben

hbr.org

Unternehmen, die dieses Schweigen durchbrechen und ein unterstützendes Umfeld schaffen, gewinnen ein loyaleres und leistungsstärkeres Team.

Der hohe Preis, mentale Gesundheit zu ignorieren

Was passiert, wenn Organisationen weitermachen wie bisher? Die Daten zeichnen ein deutliches Bild: Die Kosten, mentale Gesundheit zu vernachlässigen, sind enorm , menschlich wie finanziell. Wer Burnout, Stress und psychisches Wohlbefinden ausblendet, zahlt mit höherer Fluktuation, mehr Fehlzeiten und geringerer Produktivität, und all das schlägt auf das Ergebnis durch.

Nehmen wir allein die Fluktuation: Wenn eine talentierte Person wegen dauerhafter Belastung oder einer toxischen Kultur geht, verliert das Unternehmen Erfahrung und muss Zeit und Geld in Nachbesetzung und Einarbeitung stecken. Diese Kosten summieren sich.

In Großbritannien etwa stiegen die jährlichen Fluktuationskosten aufgrund psychischer Belastung von 8,6 Mrd. £ im Jahr 2019 auf 22,4 Mrd. £ im Jahr 2021 , ein Plus von 160 % in nur zwei Jahren.

www2.deloitte.com.

Dieser Anstieg fiel mit den Folgen der Pandemie für das Wohlbefinden zusammen und zeigt, wie schnell die Haltung „ignorieren, dann verschwindet es schon“ nach hinten losgeht. Und das gilt nicht nur für Großbritannien: Weltweit treiben unbehandelte psychische Belastungen am Arbeitsplatz die Kosten in die Höhe.

Schlechte mentale Gesundheit führt nicht nur zu Kündigungen, sondern auch zu „Quiet Quitting“ im laufenden Betrieb. Wer ausgebrannt oder depressiv ist, ist zwar da, leistet aber wenig, ein Phänomen, das als Präsentismus bekannt ist.

Diese Menschen sitzen physisch am Schreibtisch, doch Produktivität und Engagement sind stark eingeschränkt. Britische Studien haben errechnet, dass Präsentismus aufgrund psychischer Belastung Arbeitgeber weit mehr kostet als Fehlzeiten , in der Größenordnung von zweistelligen Milliardenbeträgen pro Jahr.

Dazu kommen die direkten Kosten von Krankheitstagen: In einer Umfrage entfielen 28 % aller Krankheitstage auf psychische Erkrankungen. Die gesamtwirtschaftliche Wirkung ist gewaltig. Eine aktuelle Analyse beziffert den jährlichen Verlust in Großbritannien auf 56 Mrd. £ durch psychische Belastungen am Arbeitsplatz, ein Anstieg um 25 % seit 2019.

In den USA tragen Arbeitgeber ebenfalls die Kosten für Ausfalltage und medizinische Leistungen: Allein Depressionen stehen dort für über 200 Millionen verlorene Arbeitstage pro Jahr.

hbr.org.

Und jenseits von Fehlzeiten und Fluktuation bleiben die Opportunitätskosten: Eine demotivierte Belegschaft liefert weder die besten Ideen noch den besten Service.

Wer mentale Gesundheit ignoriert, investiert zu wenig in das eigene Humankapital, und die Rechnung kommt später in Form von geringerem Wachstum und schwächerer Wettbewerbsfähigkeit.

Umgekehrt hat sich Investition in mentale Gesundheit als rentabel erwiesen. Eine Analyse von Deloitte zeigt, dass bestimmte Angebote wie Beratung und Screening-Programme eine Rendite von 5:1 oder sogar 6:1 erzielen können, über höhere Produktivität und geringere Krankheitskosten. Die Wahl ist klar: heute in mentale Gesundheit investieren oder später weit mehr für verlorene Talente und Leistung bezahlen.

Vorbilder: Unternehmen, die mentale Gesundheit priorisieren

Die gute Nachricht: Viele führende Unternehmen haben diese Realität erkannt und mentale Gesundheit zügig zum Teil ihrer Kultur gemacht. Sie behandeln das Thema so ernst wie Arbeitssicherheit oder Finanzziele, verankern Unterstützungssysteme und signalisieren, dass Wohlbefinden an erster Stelle stehen darf. Ihre Erfolge zeigen, dass sich dieser Fokus auszahlt.

So hat etwa Starbucks stark in Angebote für die mentale Gesundheit investiert. Der Kaffeekonzern hat sein Employee Assistance Program erweitert und bietet über eine Partnerschaft kostenlose Beratungsgespräche an, sodass Barista und Zentralfunktionen gleichermaßen unkompliziert Unterstützung erhalten.

Google hat Wellness-Center vor Ort sowie umfangreiche Leistungen eingeführt, darunter Beratung, Achtsamkeitskurse und eigene „Reset“-Tage zum Auftanken. Auf dem Höhepunkt der Pandemie sorgten Unternehmen wie Bumble und LinkedIn für Schlagzeilen, als sie allen Mitarbeitenden eine vollständig bezahlte Woche frei gaben , um sich von Burnout und Belastung zu erholen, ein mutiges Signal echter Fürsorge. Andere Unternehmen setzen auf dauerhafte Initiativen:

Deloitte hat ein Programm aufgesetzt, um Ersthelfende für mentale Gesundheit auszubilden, und damit unternehmensweite Peer-Netzwerke geschaffen. Johnson & Johnson und Unilever haben jeweils globale Strategien für mentales Wohlbefinden entwickelt, von Kampagnen gegen Stigmatisierung (etwa der Initiative „Show Your Stripes“ von J&J, die offene Gespräche fördert) bis zu Resilienztrainings und Apps für gesunde Gewohnheiten. Diese Arbeitgeber berichten nicht nur von positivem Feedback, sondern auch von messbar besserer Bindung und stärkerem Engagement.

Auch strukturelle Neuerungen wirken. Einige vorausschauende Unternehmen erproben flexible Arbeitsmodelle zur Entlastung, etwa eine Vier-Tage-Woche ohne Gehaltseinbußen. Die Ergebnisse sprechen für sich: In einem Pilotprojekt mit 900 Mitarbeitenden berichteten die Teilnehmenden von höherer Leistung und deutlich weniger Burnout und Erschöpfung , bei gleichbleibend 100 % Produktivität.

Cisco legt den Betrieb regelmäßig für „Wellness Days“ still, damit alle durchatmen können, und Salesforce hat eine interne Kampagne für konzentriertes Arbeiten und meetingfreie Zeitblöcke gestartet. Allen Initiativen ist eines gemeinsam: Wenn Mitarbeitende sehen, dass sich ihr Unternehmen aktiv um ihre mentale Gesundheit kümmert, fühlen sie sich wertgeschätzt und motiviert.

Unternehmen mit starken Programmen für mentale Gesundheit sind zu bevorzugten Arbeitgebern geworden, tauchen regelmäßig in „Best Places to Work“-Rankings auf und profitieren von einem Ruf, der ihnen die besten Kandidatinnen und Kandidaten bringt. Mit Empathie und konkretem Handeln zeigen sie: Mentale Gesundheit zu unterstützen ist nicht nur im großen Maßstab möglich, es verändert die Arbeitskultur grundlegend.

Konkrete Schritte für HR

HR-Verantwortliche, die Unterstützung für die mentale Gesundheit ausbauen wollen, müssen das Rad nicht neu erfinden. Es gibt heute viel Wissen darüber, was wirkt , wenn ein mental gesunder Arbeitsplatz entstehen soll. Hier einige bewährte Vorgehensweisen und konkrete Schritte.

Damit können HR-Verantwortliche noch heute beginnen:

  • Eine offene, stigmafreie Kultur pflegen: Machen Sie es zur Normalität, über mentale Gesundheit genauso zu sprechen wie über körperliche. Ermutigen Sie Führungskräfte, eigene Erfahrungen oder Herausforderungen zu teilen, wo es passt, um das Gespräch zu normalisieren. Diese Offenheit ist entscheidend, denn derzeit haben fast 60 % der Mitarbeitenden ihre mentale Gesundheit bei der Arbeit nie angesprochen, oft aus Angst. HR kann Kampagnen anstoßen, Workshops veranstalten oder Netzwerke gründen, die zeigen: Hier darf man reden.

  • Führungskräfte schulen, damit sie erkennen und reagieren: Direkte Vorgesetzte prägen das tägliche Wohlbefinden im Team stärker als jede Richtlinie. Investieren Sie in Schulungen, damit Führungskräfte Anzeichen von Burnout oder Belastung erkennen und wissen, wie sie unterstützen oder auf Angebote verweisen. Heute haben nahezu 45 % der Vorgesetzten nie eine Schulung zu mentaler Gesundheit erhalten. Diese Lücke zu schließen macht Führungskräfte handlungsfähig, statt betroffene Mitarbeitende ungewollt zu verlieren. Schon eine Grundschulung in psychischer Erster Hilfe oder ein Coaching zum Umgang mit Belastung macht einen großen Unterschied.

  • Den Zugang zu professioneller Hilfe verbessern: Prüfen Sie Ihre Employee Assistance Programs (EAPs) und Leistungen zur mentalen Gesundheit daraufhin, ob sie den tatsächlichen Bedarf decken. Das kann kostenlose oder bezuschusste Beratung bedeuten, Partnerschaften mit Apps oder Teletherapie-Plattformen oder einen erweiterten Versicherungsschutz für Beratung und psychiatrische Versorgung. Ist Hilfe leicht erreichbar, holen sich Mitarbeitende sie früher, bevor aus kleinen Problemen Krisen werden. Kommunizieren Sie diese Leistungen außerdem klar, denn vielen ist gar nicht bekannt, was verfügbar ist. Ein belastbares Unterstützungssystem zeigt: Hilfe ist da, wenn das Leben schwierig wird.

  • Work-Life-Balance und Flexibilität ernst nehmen: Burnout entsteht oft aus dauerhafter Überlastung und fehlender Balance. HR kann gegensteuern, indem Richtlinien private Zeit schützen und Flexibilität fördern. Ermutigen Sie Mitarbeitende, Urlaub und Gesundheitstage wirklich zu nehmen, und gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Setzen Sie sinnvolle Grenzen für E-Mails außerhalb der Arbeitszeit oder etablieren Sie die Norm, dass nachts niemand sofort antworten muss. Bieten Sie, wo möglich, flexible Arbeitszeiten oder Remote-Optionen an, denn mehr Kontrolle über den eigenen Arbeitsalltag senkt Belastung erheblich. Manche Unternehmen haben sogar meetingfreie Freitage oder verkürzte Arbeitswochen eingeführt und festgestellt: Die Produktivität leidet nicht, die Stimmung verbessert sich. Grenzen zu respektieren und Gleitzeit anzubieten kostet wenig und zahlt viel zurück.

  • Wohlbefinden im Arbeitsalltag verankern: Gehen Sie über reaktive Hilfe hinaus und machen Sie mentales Wohlbefinden zum festen Bestandteil des Arbeitsalltags. Dazu gehören Achtsamkeits- oder Stressbewältigungsworkshops, regelmäßige Kurzbefragungen zum Wohlbefinden und die Gestaltung der Büroflächen, etwa Ruhezonen oder erholsame Pausenbereiche. Fördern Sie Seminare zu Resilienz, Zeitmanagement oder Bewältigungsstrategien. Begehen Sie Aktionstage zur mentalen Gesundheit und stärken Sie Teamaktivitäten, die Verbindung schaffen und der Isolation entgegenwirken. Wer Wohlbefinden als dauerhafte Aufgabe versteht statt als einmaliges Extra, schafft ein Umfeld, in dem gesunde Gewohnheiten gefördert werden und Belastung aktiv gesteuert wird.

  • Wirkung messen und nachsteuern: So wie Sie Engagement oder Fluktuation verfolgen, sollten Sie auch Kennzahlen zur mentalen Gesundheit erheben. Nutzen Sie Pulsbefragungen, die Nutzung des EAP oder Rückmeldungen aus Austrittsgesprächen, um zu verstehen, wie es Ihren Mitarbeitenden geht und was wirkt. Leiten Sie daraus Anpassungen ab. Steigt die Belastung in einer bestimmten Abteilung, ist das ein Anlass einzugreifen. Wird ein Angebot kaum genutzt, passt es womöglich nicht oder ist zu wenig bekannt. Wer Unterstützung für die mentale Gesundheit als strategisches, datengestütztes Programm führt, verbessert ihre Wirkung fortlaufend. Denn was gemessen wird, wird auch gesteuert.

Jede Organisation geht ihren eigenen Weg, das Ziel bleibt dasselbe: Unterstützung für die mentale Gesundheit proaktiv, sichtbar und fest in der DNA des Unternehmens zu verankern. Kleine Schritte, konsequent gegangen, verändern eine Kultur. Kultur schlägt Strategie, und eine Kultur, die mentales Wohlbefinden wirklich wertschätzt, zieht Menschen zuverlässiger an und hält sie länger als jeder Slogan und jede Einstiegsprämie.

Ein Aufruf: Machen Sie mentale Gesundheit zum Kern Ihrer Talentstrategie

Es ist Zeit, dass HR mentale Gesundheit als festen Bestandteil der Talentstrategie begreift, nicht als optionales Extra. Die Belege sind erdrückend: Wer sich psychologisch sicher, unterstützt und als ganzer Mensch wertgeschätzt fühlt, belohnt Unternehmen mit mehr Loyalität und höherer Leistung.

Wird mentale Gesundheit dagegen vernachlässigt, gleicht kein Tischkicker und kein Gratis-Lunch aus, was das an Stimmung und Bindung kostet. Ein Bericht spricht von einer „Krise des Wohlbefindens“ am Arbeitsplatz, doch es ist eine Krise, die sich lösen lässt. Wer das Thema mit der Dringlichkeit behandelt, die es verdient, bringt die eigene Organisation in die Position, den Wettbewerb um Talente zu gewinnen .

HR ist in einer einzigartigen Position, diesen Wandel voranzutreiben. Sie sind es, die Rückhalt aus der Geschäftsleitung in konkrete Programme und Richtlinien übersetzen, die das Leben von Mitarbeitenden verbessern.

Indem Sie Initiativen vorantreiben, von besseren Leistungen über Führungskräftetrainings bis dahin, Mitarbeitende zu fragen, wie es ihnen geht, und wirklich zuzuhören , geben Sie den Ton vor: Mentale Gesundheit zählt hier. Das motiviert die heutige Belegschaft enorm. Menschen wollen ihr Bestes einbringen und orientieren sich an Arbeitgebern, die ihnen das ermöglichen.

Stellen Sie sich das Ergebnis vor: ein Arbeitsplatz, an dem Menschen Energie gewinnen statt sie zu verlieren; an dem Spitzenkräfte kommen und bleiben, weil sie wissen, dass ihr Wohlbefinden Priorität hat; an dem Tage für die mentale Gesundheit so normal sind wie Krankheitstage und Hilfe zu suchen als Stärke gilt, nicht als Makel. Ein solcher Arbeitsplatz ist keine Illusion, er entsteht gerade in Organisationen, die verstanden haben, worum es geht. Unternehmen mit starken Programmen für mentale Gesundheit profitieren heute schon bei Recruiting, Bindung und Reputation. Sie beweisen: Das Richtige für die eigenen Leute zu tun ist zugleich die bessere Geschäftsstrategie.

Wie also wird die Geschichte Ihrer Organisation lauten? Als HR-Verantwortliche haben Sie die Chance, mentale Gesundheit tatsächlich zum Talentmagneten Ihres Unternehmens zu machen. Beginnen Sie Gespräche, starten Sie Pilotprojekte, holen Sie sich Rückhalt von oben und scheuen Sie sich nicht, laut dafür einzutreten. Selbst die Weltgesundheitsorganisation ruft Arbeitgeber weltweit dazu auf, mentales Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu schützen, zu fördern und zu unterstützen.

Diesem Aufruf zu folgen ist nicht nur beruflich verantwortungsvoll, es ist auch persönlich erfüllend, Kolleginnen und Kollegen aufblühen zu sehen. Behandeln wir mentale Gesundheit also als das, was sie ist: ein Grundpfeiler des Talentmanagements. Wer die Menschen hinter der Arbeit im Blick behält, schafft ein Unternehmen, in dem Menschen arbeiten wollen , und das ist der entscheidende Wettbewerbsvorteil im heutigen Talentmarkt.

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Alexander Laugomer

VP Marketing

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