Die saisonal-affektive Störung (Saisonale Depression)

Auch wenn es normal ist, dass wir uns glücklicher und lebendiger fühlen, wenn die Sonne scheint, kann der Wechsel der Jahreszeiten bei manchen Arbeitnehmer:innen stärkere Auswirkungen mit sich bringen und zu Symptomen von Depressionen führen, die ihr Engagement und ihre Produktivität gefährden.

Sarah Korba
Sep 21, 2023
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Es ist wieder so weit! Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken, die Luft fühlt sich frisch und kühl an – der Winter ist endlich da! 

Mit dem Einzug der kalten Jahreszeit sinkt jedoch auch die Motivation und das Energielevel vieler Angestellten. In der Regel fühlen sich die meisten Menschen bei Sonnenschein glücklicher und lebendiger – der Jahreszeitenwechsel hingegen kann manche Mitarbeitende stärker beeinflussen als andere und depressive Symptome mit sich bringen, welche wiederum ihr Engagement und ihre Produktivität beeinträchtigen. 

In diesem Artikel erfährst Du mehr darüber, wie sich die saisonal-affektive Störung (auf Englisch „Seasonal Affective Disorder” oder kurz „SAD”) – auch bekannt als „saisonale Depression” oder „Winterdepression” – auf Dein Leben und das Deiner Mitmenschen auswirken kann.

Wobei handelt es sich bei der saisonal-affektiven Störung (SAD)? 

Die saisonal-affektive Störung (SAD) ist eine Form der Depression, die typischerweise im Herbst beginnt und den ganzen Winter über anhält. Es handelt sich hierbei um eine anerkannte medizinische Erkrankung, bei welcher der Hormonhaushalt, insbesondere der des Melatonins und des Serotonins, in dem Teil des Gehirns beeinflusst wird, der für die Regulierung der Stimmung verantwortlich ist. Bei vielen Arbeitnehmer:innen bedeuten die saisonalen Veränderungen in der Winterzeit Traurigkeit, verringertes Arbeitsengagement und beeinträchtigte Produktivität. Für Führungskräfte ist es wichtig, die saisonale Depression als echte Erkrankung anzuerkennen und Mitarbeitenden, die darunter leiden, Unterstützung anzubieten. Im Gegensatz dazu ist die „Reverse seasonal affective disorder” – also die „Umgekehrte saisonale Depression” oder auch „Sommerdepression” – eine seltenere Form der Depression, welche in den Sommermonaten auftritt.

Was sind die typischen Anzeichen oder Hauptsymptome der saisonal-affektiven Störung?

Die saisonal bedingte Depression kann eine Reihe von Symptomen mit sich bringen, darunter folgende: 

  • Gefühle von Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit, die den ganzen Tag über anhalten – und das nahezu jeden Tag
  • Interessenverlust an Aktivitäten oder Dingen, die früher Freude bereitet haben
  • Energie- und Antriebslosigkeit
  • Übermäßiges Schlafen oder Schlafprobleme
  • Heißhunger auf Kohlenhydrate, übermäßiges Essen und Gewichtszunahme
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Gefühle der Hoffnungslosigkeit, Wertlosigkeit oder Schuldgefühle
  • Gedanken daran, nicht mehr weiterleben zu wollen

Am Arbeitsplatz kann sich die SAD durch mangelnde Energie und Konzentration, zunehmende Traurigkeit oder Schuldgefühle und andere Anzeichen von Burnout, wie Erschöpfung und Hoffnungslosigkeit, äußern. Hinzu können Symptome wie mangelndes Interesse an der Arbeit oder geringes Arbeitsengagement, eine negative Grundstimmung, Kommunikationsschwierigkeiten und vermehrtes Fernbleiben vom Arbeitsplatz kommen. Außerdem kann es Mitarbeitenden mit einer SAD schwerfallen, Produktivität an den Tag zu legen und es geschieht nicht selten, dass sie sich zurückziehen und sich von ihren Kolleg:innen, mit denen sie direkt oder indirekt zusammenarbeiten, distanzieren.

Was sind die Ursachen der saisonal-affektiven Störung?

Die genaue Ursache der SAD ist noch nicht vollständig geklärt, aber mehrere Faktoren dürften zu ihrer Entstehung beitragen. Es wird vermutet, dass eine geringere Sonneneinstrahlung eine wichtige Rolle bei der Entstehung der SAD spielt. Denn dadurch wird die innere Uhr des Körpers durcheinander gebracht und die Produktion der Hormone Melatonin und Serotonin, welche unsere Stimmung regulieren, verändert. Auch genetische Faktoren können eine Rolle spielen, denn Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen mit einer familiären Vorgeschichte von Depressionen mit größerer Wahrscheinlichkeit an einer SAD erkranken als Menschen, in deren Familien keine Depressionen aufgetreten sind. Weiters scheinen Veränderungen in der hirnchemischen Zusammensetzung, insbesondere ein Ungleichgewicht von Serotonin und Melatonin, zur Entwicklung der SAD beizutragen. Darüber hinaus können Lebensstilfaktoren wie Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Alkoholkonsum und soziale Isolation das Risiko, an einer SAD zu erkranken, erhöhen. Diese genannten Lebensstilfaktoren können außerdem die Symptome der SAD zusätzlich verstärken.

Wie verbreitet ist die saisonale Depression?

Von der SAD sind schätzungsweise 2-8 % der Gesamtbevölkerung in Europa betroffen. Sie tritt in nördlichen Regionen häufiger auf, da den Bewohner:innen in den Wintermonaten weniger Tageslicht zur Verfügung steht. Im Arbeitskontext kann die SAD Personen auf sämtlichen Ebenen und in allen Funktionen betreffen. Allerdings ist sie bei Personen, die in geschlossenen Räumen arbeiten oder tagsüber keinen Zugang zu natürlichem Sonnenlicht haben, weiter verbreitet. Deshalb ist es so wichtig, dass Arbeitgeber:innen eine Bewusstheit für diese Krankheit entwickeln, denn somit kann den Angestellten, die mit der SAD zu kämpfen haben, die nötige Unterstützung gegeben werden.

Wie kann man die saisonal-affektive Störung lindern?

Die SAD kann je nach Schweregrad der Symptome auf unterschiedliche Weise behandelt werden. Hier sind ein paar Anregungen zur Bewältigung und Behandlung der SAD:

  1. Lichttherapie: Dabei setzt man sich jeden Tag für eine bestimmte Zeit (je nach Schweregrad der Symptomatik) vor ein spezielles Gerät, das natürliches Sonnenlicht nachahmt. Dadurch kann der zirkadiane Rhythmus reguliert und die Stimmung verbessert werden.
  2. Psychotherapie: Ein Gespräch mit Fachleuten im Bereich der psychischen Gesundheit kann Betroffenen dabei helfen, ihre SAD-Symptome besser zu verstehen und zu überwinden. Zum Beispiel hat sich die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), welche eine Form der Gesprächstherapie darstellt, bei der Behandlung der SAD als wirksam erwiesen.
  3. Antidepressiva: Bestimmte Arten von Antidepressiva, wie z. B. selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), können bei der Behandlung der SAD wirksam sein. Es ist jedoch wichtig, einen Arzt / eine Ärztin bzw. eine:n Psychiater:in zu konsultieren, um festzustellen, ob eine medikamentöse Behandlung für die jeweilige Situation sinnvoll ist.
  4. Vitamin D: Einige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass eine erhöhte Vitamin-D-Zufuhr, entweder durch Nahrungsergänzungsmittel oder durch Aufenthalte im Freien, die Symptome der SAD lindern kann.
  5. Selbstfürsorge: Eine gute Routine der Selbstfürsorge, wie das regelmäßige Betreiben von Sport, ausreichend Schlaf, eine gesunde Ernährung und Aktivitäten, die einem persönlich Freude bereiten, können dazu beitragen, die allgemeine Stimmung und das eigene Wohlbefinden zu verbessern.

Bitte bedenke, dass es wichtig ist, eine Fachkraft aus dem Gesundheitsbereich (Mediziner:innen, Psycholog:innen, Therapeut:innen) zu konsultieren, wenn Du den Verdacht hast, dass Du an einer SAD leidest oder wenn Deine Symptome stark ausgeprägt sind. Diese können Dir dabei helfen, die beste Behandlung für Deine individuellen Bedürfnisse zu finden.

Wie können Führungskräfte dazu beitragen, die Auswirkungen der SAD zu mindern?

Hier sind einige Ideen, welche Du als Führungskraft nutzen kannst, um die Folgen der jahreszeitlichen Veränderungen für alle Mitarbeitenden zu mildern.

  • Lass die Sonne herein: Schreibtische in natürlich beleuchteten Bereichen, helle Vorhänge und der Einsatz von Lampen oder Lichttherapiekästen sind wirksame Mittel, um die Stimmung zu heben und viele SAD-Symptome zu verringern. Untersuchungen haben gezeigt, dass der Einsatz von Lichttherapiekästen in 60 bis 90 % der Fälle wirksam ist. Außerdem könnte man zusätzlich in Erwägung ziehen oder andere dazu animieren, gemeinsam mit der Sonne aufzustehen und etwas Bewegung in den eigenen Alltag zu bringen, während man das Morgenlicht willkommen heißt.
  • Ermögliche flexible Arbeitszeiten: Indem Du Deinen Angestellten die Möglichkeit gibst, ihre Arbeitszeiten frei einzuteilen oder teilweise von zu Hause aus zu arbeiten, kannst Du ihnen gleichzeitig Wertschätzung entgegenbringen und ihnen die Gelegenheit bieten, noch vor der Arbeit etwas Sonne zu tanken. Viele Unternehmen, die flexible Arbeitszeiten anbieten, ermöglichen es ihren Beschäftigten, zwischen 7:00 und 10:00 Uhr zur Arbeit zu kommen und eine Acht-Stunden-Schicht nach ihrem eigenen Zeitplan zu absolvieren. So haben diejenigen, die an einer saisonalen Depression leiden, die Möglichkeit, die Sonne zu genießen, solange sie noch scheint.
  • Fördere den proaktiven Dialog: Die Eröffnung eines offenen Dialogs trägt dazu bei, dass sich Deine Mitarbeiter:innen wohlfühlen, auch wenn sie sich zu unangenehmen Gefühlen wie Stress, Ängsten und Depressionen äußern. Dazu ist es notwendig, die Kommunikationswege offen zu halten und gleichzeitig allen Menschen um uns herum Respekt entgegenzubringen.

Wie können Arbeitnehmer:innen die Auswirkungen der SAD am Arbeitsplatz verringern?

  • Als Angestellte:r kannst Du die folgenden Tipps beherzigen, um die Symptome der saisonalen Depression zu lindern und Dich besser zu fühlen, wenn Du mit dem Herbstblues zu kämpfen hast: 
  • Achte auf eine gesunde Ernährung: Kleine, ausgewogene Mahlzeiten mit viel Obst und Gemüse helfen Dir dabei, Dein Energieniveau zu steigern und Deine Gehirnleistung zu verbessern. Es gibt Hinweise darauf, dass folgende Lebensmittel Depressionen lindern können:
    • Austern und Muscheln
    • Grünes Blattgemüse
    • Paprika
    • Kreuzblütler (Kohlgemüse, Radieschen, Rucola)
    • Pomelo
    • Für Fleischesser:innen: Leber und Innereien
    • Krabben
    • Kürbis
  • Bleibe aktiv: Sport an einem kalten Wintertag zu betreiben, kann anstrengend sein, aber dieser natürliche Stimmungsaufheller und Immunitätsverstärker ist alle Mühe wert. Regelmäßiger, moderater Ausdauersport kann eine wirksame Behandlung für jede Art von Depression darstellen
  • Nimm professionelle Hilfe in Anspruch: Wenn die oben genannten Tipps Deine Beschwerden lindern können, ist das großartig! Aber vergiss nicht: Du bist nicht allein! Es lohnt sich in jedem Fall, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, vor allem, wenn Du das Gefühl hast, dass Du ein wenig extra Unterstützung gut gebrauchen könntest. Eine Fachperson für psychische Gesundheit (Mediziner:in, Therapeut:in, Psycholog:in) wird Dir die besten Behandlungsmöglichkeiten anbieten, damit es Dir bald wieder besser geht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die saisonale Depression eine reale und folgenschwere Erkrankung ist, von der viele Menschen in den Herbst- und Wintermonaten betroffen sind. Sie kann unter anderem zu Traurigkeit, Konzentrationsproblemen, verminderter Motivation und geringerer Produktivität am Arbeitsplatz führen. Eine verstärkte Bewusstheit für die Anzeichen und Symptome der SAD ist sowohl für Führungskräfte als auch für Beschäftigte von entscheidender Bedeutung, um den Betroffenen Unterstützung zu bieten und Vorkehrungen treffen zu können.

Wenn Du daran interessiert bist, mehr über das Thema “Wohlbefinden am Arbeitsplatz” zu erfahren, buche gerne eine Demo bei uns oder besuche uns unter www.kyanhealth.com.

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